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Integration geht durch den Magen

 

Seit zwei Jahren treffen sich deutsche und arabische Familien zum gemeinsamen Kochen. Mit der Zeit sind während der Treffen viele Freundschaften entstanden.

 

Wer am Montagabend den Gemeinschaftsraum des Familienzentrums West in Wilhelmshaven betritt, kann ihn schon von Weitem riechen: Den lieblichen Duft orientalischer Gewürze, der den gesamten Raum erfüllt.

In kleinen Gruppen verteilt sitzen hier Männer, Frauen und Kinder aller Herren Länder, schneiden Zwiebeln, kneten Teig, rollen Klöße.

Seit nunmehr fast zwei Jahren treffen sich Flüchtlinge und Einheimische einmal in der Woche zum gemeinsamen Kochen, jedes Mal gibt es ein deutsches und ein arabisches Gericht.

Heute stehen Teigtaschen mit einer Oliven-Tomaten-Füllung und Kartoffel-Kürbis-Klöße auf dem Speiseplan.

Angefangen hat alles Ende 2015, als durch den Bürgerkrieg in Syrien viele Asylsuchende auch nach Wilhelmshaven kamen.

„Wir wollten den Flüchtlingen zeigen, dass sie willkommen sind und ihnen durch den Kontakt mit Deutschen beim Erlernen der Sprache unter die Arme greifen - und Essen verbindet einfach“, erzählt Sozialpädagogin Gabi Willich vom Familienzentrum West.

Eine Spende der August-Desenz-Stiftung in Höhe von 5300 Euro, dank der zwei Mitarbeiterinnen eingestellt werden konnten, hat die Kochabende der Ev. Familienbildungsstätte möglich gemacht.

© WZ-Foto: Gabriel-Jürgens

Die Honorarkräfte Annegret Schönborn (3. v. li. vorn) und Suzi Tafla-Taki (5. v. li. vorn) kochen mit den Teilnehmern an jedem Montagabend im Familienzen­trum West ein deutsches und ein orientalisches Gericht.

"Anfangs hätten wir nie gedacht, dass das Projekt so lange läuft", erzählen Suzi Tafla-Taki und Anegret Schönborn die als Honorarkräfte von Beginn an mit dabei waren.

"Aber weil die Nachfrage so groß war, ging es irgendwie immer weiter." Wie Arbeit fühle sich das Kochen überhaupt nicht an.

"Durch den wöchentlichen Kontakt beim Kochen erlebt man oftmals auch besondere Momente im Leben der anderen mit"

sagt Suzi, die selbst im Libanon geboren ist und an der Volkshochschule Deutschkurse gibt: "Ich freue mich immer, wenn ich herkomme."

Mittlerweile sind die Vorbereitungen erledigt.

Die Teigtaschen können gefüllt, der Ofen vorgeheizt werden. Am Herd versenkt ein junges Mädchen schon mal die Klöße im Kochtopf. Die Küchenzeile füllt sich.

"Hat jemand das Salz versteckt?" kommt aus einer Ecke, "Wir brauchen ein anderes Blech!" hört man aus der anderen. Bei aller Aufregung herrscht stets eine harmonische Grundstimmung. Man lacht, tausch sich aus, lernt neue Vokabeln dazu: "Was heißt eigentlich Kürbis auf arabisch?"

In den fast zwei Jahre, in denen oft dieselben Leute zu den Kochabenden kommen, sind viele Freundschaften entstanden. "Viele, die sich beim Kochen kennengelernt haben, treffen sich jetzt auch prívat", sagt Suzi, die mit ihrer Kollegin Annegret selbst eine Freundin dazu gewonnen hat. 

Außerdem erlebe man durch den wöchentlichen Kontakt auch besondere Momente im Leben der anderen mit: "Letztens konnte jemand aus der Kochgruppe, der alleine geflüchtet war, seine Familie nach Deutschland holen", erzählt Suzi. "Es war sehr schön, daran teilzuhaben."

Während die Teigtaschen im Ofen langsam eine braune Farbe annehmen, kann im Gemeinschaftsraum schon mal der Tisch eingedeckt werden - denn das die gemeinschaftlich gekochte Gerichte am Ende auch zusammen gegessen werden, versteht sich von selbst.

Von Anfang an mit dabei ist Hamza Harroumeh, der alleine nach Deutschland gekommen ist und beim Kochen viele Kontakte knüpfen konnten: "Mir gefällt das lockere Miteinander sehr, das ist immer eine ganz besondere Stimmung." Und nicht nur sein Deutsch hat der 31 Jährige in den Vorjahren hier verbessert: "Ich habe gelernt, wie man gute Teig macht, Gerichte kocht, oh, und Abwaschen!", lacht er. Denn auch das gehört am Ende jedes Kochabends für alle mit dazu.

Quelle: Wilhelmshavener Zeitung von Juliane Minow vom  8. November 2017

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