St. Willehad Katholische Kirchengemeinde Wilhelmshaven

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„Christus segne dieses Haus“

Sternsinger trotzen Kälte und sammeln Spenden

Rund um den Dreikönigstag ziehen die Sternsinger bei Schnee und Kälte in königlichen Gewändern von Haus zu Haus, um Menschen Gottes Segen zu bringen und Geld für Kinder in Not zu sammeln.

Bei ihren Hausbesuchen hinterlassen die Sternsinger die traditionelle Inschrift „20*C+M+B+26“.

Die Buchstaben stehen für den lateinischen Segen „Christus Mansionem Benedicat“ (Christus segne dieses Haus). In Wilhelmshaven zogen die Jungen und Mädchen der St. Willehad Gemeinde los. Wir haben sie begleitet.

Kleine Könige mit großer Mission

Die Sternsinger Christus König der St. Willehad Gemeinde unterwegs für Kinder in Not

 

„Wir möchten Ihnen den Segen bringen.“ Schwester Stella steht zwischen zwei Pflegebetten.

In bunten Gewändern stehen die Kinder neben ihr. Als diese zu singen beginnen, breitet sich ein Lächeln auf den Gesichtern der Seniorinnen aus, sie freuen sich offensichtlich über die Abwechslung.

Seit Tagen hängt das Plakat bereits an der Scheibe des Aufenthaltsraumes im Pflegeheim: Die Sternsinger kommen!

Ein Gebet für sichere Wege

Wegen der schwierigen Wetterlage am Wochenende ist lange Zeit unsicher, ob der Besuch der Sternsinger der St. Willehad Gemeinde in Wilhelmshaven überhaupt stattfinden kann.

Doch für die Kinder, die am Samstag in ihren Gewändern in der Kirche Christus König in Fedderwardergroden zusammengekommen sind, ist eine Absage keine Option.

Da die Straßen im Stadtnorden wieder passierbar scheinen, machen sie sich bereit.

Um die fehlende Probenzeit der letzten Tage wettzumachen, greift Olaf Kordecki zum Akkordeon: Gemeinsam singen sich alle warm und stimmen sich auf ihren Einsatz ein.

Doch vor dem Aufbruch folgt ein wichtiger Moment. Pfarrer und Dechant Andreas Bolten segnet die Kreide, die Aufkleber und Sterne.

In seinem Gebet bittet er zudem um Gottes Begleitung auf den winterlichen Pfaden. Sicher ist sicher.

Tradition an der Türschwelle

Seit fast 60 Jahren ist das Kindermissionswerk das Hilfswerk der Sternsinger. Die Sternsinger - das sind 300.000 Jungen und Mädchen bundesweit, die sich rund um den Dreikönigstag bei Schnee und Kälte in königlichen Gewändern auf den Weg machen, Gottes Segen zu den Menschen zu bringen und Geld für Kinder in Not zu sammeln.

Bei ihren Hausbesuchen hinterlassen die Sternsinger die traditionelle Inschrift „20*C+M+B+26“.

Wer keine Kreide an seiner Tür wünscht, kann heutzutage auf die moderne Variante in Form von Aufklebern zurückgreifen. Zusätzlich verteilen die Kinder gesegnete Sterne.

Die Freude am Helfen

Elias´ Motivation ist klar: Er möchte Kindern in Not helfen.

Der 15-jährige überragt die Gruppe nicht nur an Größe, er übernimmt als Ältester auch ganz selbstverständlich Verantwortung.

Als sich auf dem Parkplatz des Pflegeheims - dem ersten Halt des Tages - ein Auto nähert, behält er die Kleinsten im Blick und schiebt sie sanft beiseite.

„Mir ist es wichtig, etwas zu tun. Es gibt zu viele Kinder, die nicht die gleichen Chancen haben wie wir”, erklärt er. Für ihn ist das Engagement Ehrensache. „Und außerdem macht das Sternsingen  einfach Spaß.”

Spaß, Gemeinschaft und etwas Gutes tun, das sei der Grund, warum die Gemeinde keine Probleme habe, die Tradition der Sternsinger fortzuführen, sagt Pfarrer Andreas Bolten. „Es kommen immer neue hinzu. Einige kennen sich untereinander aus der Schule oder aus anderen Gruppen der Gemeinde.

DIe Idee wird klassisch weitergetragen.

Im Aufenthaltsraum des Pflegeheims herrscht erwartungsvolle Stille, als die Sternsinger einziehen.

„Oh, sind die niedlich”, sagt eine Bewohnerin und lächelt.

Zunächst stimmen die Kinder ihre Lieder noch etwas schüchtern und leise an, doch mit jeder Zeile wächst ihr Selbstvertrauen und der Gesang wird kräftiger.

Spende für Kinder in Bangladesch

Auf dem Weg in die oberen Stockwerke, um auch dort den Bewohnern den Segen zu bringen, schüttelt Emmi den kleinen Spendenkarton. „Da ist schon was drin“, sagt die Zehnjährige und lächelt.

„Schule statt Fabrik“ – so lautet das Spenden-Motto des Kindermissionswerks in diesem Jahr und richtet den Blick nach Bangladesch.

Trotz Fortschritten im Kampf gegen Kinderarbeit werden in dem südasiatischen Land noch immer rund 1,8 Millionen Kinder und Jugendliche zur Arbeit gezwungen – 1,1 Millionen davon unter ausbeuterischen Bedingungen.

„Das finde ich ganz furchtbar“, sagt Emmi. „Dass es Kinder gibt, die in einer Fabrik arbeiten müssen und nicht in die Schule gehen können.“ Diesen Kindern zu helfen, das sei ihr besonders wichtig. „Und das Sternsingen macht einfach riesigen Spaß, schon die Vorbereitungen waren toll.“

Der Segen ist wichtig für die Menschen

Nach dem Besuch eines weiteren Pflegeheims im Stadtnorden steuert die Gruppe das Gemeindehaus an.

Doch die Mittagspause ist nur eine kurze Verschnaufpause, denn der Tag ist für die Sternsinger noch lange nicht zu Ende.

Am Nachmittag warten noch 30 Haushalte auf den königlichen Besuch.

Die nötige Energie dafür tanken die Kinder bei einer großen Portion Spaghetti Bolognese.

Insgesamt stehen in diesem Jahr wieder über 100 Haushalte auf dem Plan der Sternsinger.

Doch das Wetter zwingt zur Flexibilität.

Spontan wurde entschieden, sich am Samstagnachmittag auf den Stadtnorden zu beschränken.

Die Besuche in den anderen Stadtteilen wurden auf den kommenden Sonntag verschoben.

Dass dieser Planwechsel reibungslos funktionierte, ist Heike Holmer zu verdanken.

Die Ehrenamtliche verbrachte am Vortag drei Stunden am Telefon, um alle Betroffenen zu informieren.

„Der Segen ist für viele Menschen eine Herzensangelegenheit“, weiß Bolten. Dabei sind es längst nicht nur Gemeindemitglieder, die die Kinder empfangen. „Es gibt auch Menschen ohne direkten Gemeindezugang oder Zugezogene, die diese Tradition aus ihrer Heimat kennen und sie nun in Wilhelmshaven fortführen möchten.“

Das Ziel der Sternsinger ist am Ende nämlich mehr als nur das Sammeln von Spenden oder das Anbringen von Aufklebern.

Es geht um die Zusage, die sie singend in die Welt tragen: „Der Segen des Herrn sei mit euch. Das schreiben wir an die Türen. Und alle, die in eurem Herzen sind, die möge Gott sicher führen.“

Quelle: Wilhelmshavener Zeitung von Kea Ulfers vom 12. Januar 2026