Die Frau für den Lesestoff im Stadtnorden
Notizen vom Nachbarn Stephanie Rauhut ist seit knapp 20 Jahren in der Bücherei in Wilhelmshaven aktiv

© WZ-Foto: Dirk Gabriel-Jürgens
Seit knapp zwei Jahrzehnten bringt sich Stephanie Rauhut in das Team der Katholischen öffentlichen Bücherei ein; seit 2021 leitet sie die Einrichtung.
Für viele Menschen in Wilhelmshaven steht die Katholische Öffentliche Bücherei Christus König nur zweimal jährlich im Kalender – jeweils im Frühjahr und im Herbst beim beliebten Bücherflohmarkt im Pfarrsaal der Christus-König-Kirche.
Doch auch abseits der Termine herrscht hier das ganze Jahr über Betrieb.
Ermöglicht wird dieses Angebot durch ein engagiertes Ehrenamtsteam.
Zu diesem Team zählt seit knapp 20 Jahren auch Stephanie Rauhut, seit 2021 leitet sie die Bücherei.
Buchkarten, auf denen handschriftlich Autor, Titel und Registerkartennummer vermerkt sind, bilden zusammen mit eingetragenen Lesernummern die Basis bei der Ausleihe; der gesamte Bestand wird zusätzlich in einer Excel-Tabelle erfasst. „In diesem Bereich sind wir noch sehr klassisch unterwegs“, sagt Rauhut und lacht. „Nicht aber in unserem Bestand“, betont die Leiterin. Knapp 4000 Medien stehen in den Regalen, wobei jeder Regalmeter voll ausgenutzt wird. Das Angebot reicht von zahlreichen Kinderbüchern über Romane bis hin zu Sachbüchern. „Wir bemühen uns, den Bestand so aktuell wie möglich zu halten.“ Um mit der Zeit zu gehen, verleiht die Bücherei neben Büchern auch bei Kindern sehr beliebte Tonies inklusive der passenden Abspielbox. „Dadurch haben wir auch mehr Zulauf erhalten.“
Sonderwünsche der Leserschaft erfüllen Rauhut und ihr Team ebenfalls. Das führt allerdings dazu, dass die Büchereileiterin beim Bummeln durch Buchhandlungen gedanklich oft nicht vor dem eigenen Regal zu Hause steht, sondern vor den Regalen in der Posener Straße.
Rauhut und ihr Team haben bereits Weihnachten im Blick, denn die begehrten weihnachtlichen Tonies sind oft früh vergriffen. „Da passt es, dass ich neben dem Lesen unglaublich gerne auf Flohmärkten unterwegs bin“, erzählt sie. Bereits seit Wochen hält sie dort Ausschau nach den passenden Hörspielfiguren. Dass solche Anschaffungen finanziell überhaupt möglich sind, verdankt die Einrichtung unter anderem den beiden jährlichen Flohmärkten. „Ohne diese Einnahmen wäre es nicht machbar, unseren Bestand so aktuell zu halten und zu erweitern.“
Die Bücherei öffnet zweimal wöchentlich ihre Türen: donnerstags von 16 bis 18 Uhr sowie sonntags von 12 bis 13 Uhr. Der Leiterin ist dabei besonders wichtig zu betonen, dass die Einrichtung allen Menschen offensteht. „Dafür muss man kein Mitglied der Kirchengemeinde sein“, stellt sie klar. Gerade für den Stadtnorden sei eine solche Anlaufstelle für Lesebegeisterte unverzichtbar, da der Weg zur Stadtbibliothek recht weit ist. Auch die Kinder aus den katholischen Kindergärten sind regelmäßig in der Bücherei zu Gast.
Vor knapp 20 Jahren zog Stephanie Rauhut von Paderborn nach Wilhelmshaven. Die Mutter zweier Kinder hatte zu diesem Zeitpunkt bereits ein Geografiestudium absolviert. In ihrer neuen Heimat legte sie an der Jade Hochschule ein Studium der Kommunikationstechnik nach. „Das habe ich damals dual gemacht – nur gab es den Begriff da offiziell noch gar nicht.“ Durch die Erstkommunion ihrer Kinder fand Rauhut Anschluss in der Kirchengemeinde St. Willehad und auch in der Bücherei. „Ich bin damals so nett aufgenommen worden.“ Schnell stand fest, dass sie sich dort langfristig einbringen möchte. Die Unterschiede zwischen ihrem Ehrenamt und ihrer beruflichen Tätigkeit beim Arsenal sieht sie als überraschend gering. „Bei beiden kommt es vor allem auf Organisation an.“
Ihr ehrenamtliches Engagement endet keineswegs mit den regulären Öffnungszeiten. Schließlich fallen in den Räumen an der Posener Straße dieselben Aufgaben an wie in anderen öffentlichen Bibliotheken. „Die Bücherei nimmt einen sehr großen Stellenwert in meiner Freizeit ein“, erklärt die 54-Jährige. Viel Raum für andere Hobbys bleibe da nicht. So kommt es regelmäßig vor, dass Stephanie Rauhut die zahlreichen Neuerscheinungen abends vor dem Fernseher in Schutzfolie einschlägt.