7. November 2026 | Gedanken zum Sonntag vom leitenden Pfarrer Andreas Bolten der Pfarrgemeinde St. Willehad und Leiter des Pastoralen Raum Wilhelmshaven | Vorsitzender der Verbandsvertretung
Namen und Opfer

© Peter Weidemann - Pfarrbriefservice kostenlos
Antisemitismus - Nie wieder ist jetzt!
Allerseelen, Allerheiligen, Reformationstag. Diese Gedenkfeste begehen wir in unseren Kirchen.
Die Reichspogromnacht und der Volkstrauertag stehen als gesellschaftliche Gedenktage in diesen Tagen an.
Diese Tage sind voller wichtiger und unverzichtbarer Erinnerungen.
Sie halten uns wichtige Personen und Ereignisse aus unserer individuellen und gemeinsamen Geschichte vor Augen.
Wir sind aus unserer Geschichte geprägte Menschen, mehr als uns manchmal bewusst ist oder bewusst sein sollte oder lieb ist.
Eine besondere Not ist der in den letzten Jahren stark zugenommene Antisemitismus.
Die Übergriffe in diesem Feld sind in den letzten Jahren rasant gestiegen.
Haben die Gedenktage an die Opfer des Naziregimes aus den letzten Jahren und Jahrzehnten so wenig bewirkt?
Es wird schon von “Sonntagsreden” ohne Konsequenzen gesprochen.
Ist die Breitenwirkung von Lernen aus der Geschichte so gering oder nachhaltig?
Verblassen hinter den aktuellen politischen und gesellschaftlichen Konflikten die Lehren aus unserer nicht einmal hundert Jahre vergangenen Geschichte.
Ökumenisches Reichspogromgedenken

Am kommenden Montag, 9. November 2026 werden beim ökumenischen Reichspogromgedenken 121 Namen jüdischer Opfer des Nazisregimes und deren ungeheurer Tötungsmechanismen gedacht.
Jedes Opfer hat einen Namen.
Jedes Opfer entstammt einer Familie und hat eine zu würdigende persönliche Lebensgeschichte.
Jedes Opfer hat einen Platz in der Geschichte Wilhelmshavens und darüber hinaus gehabt.
Stolpersteinprojekt

Dies hat uns in den letzten Jahren eine Schülerguppe unserer Stadt mit dem Stolpersteinprojekt neu vor Augen geführt.
Die Trauer der Angehörigen dieser Opfer hält an und mahnt.
Das war bei den Besuchen in diesem Jahr zu erleben und zu spüren.
Trauer ist auch nicht auszuspielen in den Opferwegen– und Lebens- und Leidensgeschichten so vieler Menschen verschiedener Staats-, Volks- und verschiedener
Religionszugehörigkeit zugehöriger Menschen im Nahen Osten.
Wie gut wäre es, wenn wir aus der Erinnerung und Geschichte lernen und uns tatkräftigen massiven Angriffen auf die je individuelle Menschenwürde, religiöse Geschichte und deren Identität entgegenstemmen und die gesellschaftliche Toleranz für die Lebenswege verteidigen, stützen und stärken.
Die könnte einen Gegenpol bedeuten gegen allzu vereinfachende und polemische Angriffe und Schuldzuweisungen bestimmter Bevölkerungsgruppen, seien diese auch religiöser und kulturell fremder Herkunft.
Die Chance eines Lerneffektes aus so vieler Vielfalt sollte nichtvertan werden.
