St. Willehad erinnert an den Kreuzkampf
Veranstaltungsreihe in Wilhelmshaven zum Gedenken an den Widerstand gegen das NS-Regime im Oldenburger Münsterland

© WZ-Foto: Dirk Gabriel-Jürgens
Mit der Veranstaltungsreihe zum Kreuzkampf wolle man an den Mut der Gläubigen von damals erinnern, so Pfarrer Andreas Bolten.
Der „Kreuzkampf“ vor 90 Jahren im Oldenburger Münsterland gehört zu den bemerkenswertesten, aber oft noch wenig bekannten Kapiteln des Widerstands gegen den Nationalsozialismus.
Die St. Willehad Kirchengemeinde in Wilhelmshaven nimmt das Jubiläum zum Anlass, an den damaligen Mut zu erinnern und zu fragen, wo heute Zivilcourage gefordert ist.
Es ist ein Mittwoch, der 4. November 1936, als der oldenburgische Minister für Kirchen und Schulen, Julius Pauly, eine folgenschwere Anordnung erlässt: Bis zum 15. Dezember müssen alle religiösen Zeichen – ob Kruzifix oder Lutherbild – aus öffentlichen Gebäuden verschwinden.
Für die tiefgläubigen Menschen im Oldenburger Münsterland trifft diese Verfügung den Kern ihrer Identität und ihrer Werte.
Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer.
Es formiert sich Widerstand.
Bereits am 15. November lässt der Bischöfliche Offizial Franz Vorwerk in allen Kirchen des Landes eine Kanzelerklärung verlesen: „Jeder Angriff auf das Kreuz, das Zeichen der Erlösung, ist für uns ganz selbstverständlich ein Angriff auf das Christentum. Daher können wir niemals unsere Zustimmung dazu geben, dass das Kreuz aus dem Erziehungsraum der Kinder verbannt wird.“
Lautstarker Protest der Gläubigen
Erste Abordnungen reisen direkt zum Minister mit der klaren Forderung: Das Kreuz muss bleiben!
Als am 25. November Gauleiter Carl Röver in der Cloppenburger Münsterlandhalle sprechen soll, drängen sich drinnen über 7000 Menschen, während Tausende die Versammlung draußen über Lautsprecher verfolgen.
Als der Redner ausweicht, wird die Menge unruhig.
Lautstarke Rufe erschallen: „Zur Sache, zur Sache, das Kreuz!“
Selbst der Aufmarsch der SA kann die wütende Menge nicht einschüchtern – Röver muss schließlich einlenken.
Doch dieser Erfolg hat seinen Preis: Das NS-Regime nimmt die Niederlage nicht hin.
Ab Januar 1937 werden mindestens zwölf Männer verhaftet, einige von ihnen in Konzentrationslagern schwer misshandelt.
„Der Kreuzkampf zählt zu den wenigen belegten Fällen organisierten zivilen Widerstands gegen die NS-Diktatur“, betont Pfarrer Andreas Bolten. „Ich bewundere den Mut und die Courage der Menschen, die damals entschlossen für ihre Kirche, ihr Symbol und ihren Glauben eingetreten sind.“
Unter dem Motto „Kreuz zeigen, weil Gesellschaft Haltung braucht“ erinnert das Bischöflich Münstersche Offizialat Vechta an die historischen Ereignisse.
Die St. Willehad Gemeinde greift diesen Anlass auf und füllt die Aktion in Wilhelmshaven mit eigenen Veranstaltungen.
Auch wenn der evangelische Protest vor Ort weitaus weniger dramatisch verlief, blieb die Region nicht konfliktfrei.
In Rüstringen – etwa an der Oldeoogeschule – sowie in Neuengroden kam es ebenfalls zu öffentlichen Auseinandersetzungen beim Abhängen der Lutherbilder.
Vielfalt und für Demokratie unsere Werte
Mit der Veranstaltungsreihe wolle man nicht nur Verbundenheit zum Oldenburger Münsterland zeigen, sondern auch Haltung beweisen.
Insbesondere in Zeiten, in denen Unterschiede im Umgang mit Menschen gemacht werden, sei dies entscheidend, so Bolten. „Wir stehen für Vielfalt und für Demokratie. Das sind unsere Werte.“
Quelle: Wilhelmshavener Zeitung von Kea Ulfers vom 5. November 2026

