21. März 2026 | Gedanken zum Sonntag von Pastoralreferentin Daniela Surmann in der Pfarrei St. Willehad, Wilhelmshaven
Wenn der Seher nichts sieht

Mein Laptop redet nicht – oder besser gesagt: Ich „höre“ oft nicht richtig hin.
Manchmal wünsche ich mir, er könnte sagen: „Stop! Das ist keine gute Idee.“
So richtig mit gesprochen Worten. Genau das hätte mir nämlich neulich geholfen.
Ich wollte nur schnell eine externe Festplatte löschen.
Ein paar Klicks, dachte ich.
Eben schnell nebenbei, dachte ich.
Eigentlich war ich schon auf dem Sprung, die Jacke angezogen.
Mein Computer hat mich mehrfach gewarnt.
Wirklich mehrfach. „Bist Du sicher, dass Du das tun willst?“ – „Wirklich sicher?“
Aber ich war überzeugt, dass ich weiß, was ich tue.
Am Ende war nicht die externe Festplatte leer – sondern meine interne.
Laufwerk C. Fotos, Dokumente, Musik. Jahrzehnte meines Lebens. Weg. Datensicherung?
Na, raten Sie mal.
Manchmal bin ich erstaunlich sicher, dass ich alles im Blick habe – und übersehe trotzdem das Entscheidende.

©
Ausschnitt - Bileam und die Eselin
Rembrandt van Rijn, 1626
Öl auf Eichenholz
63,2?× 46,5?cm
Musée Cognacq-Jay, Paris
So wie der biblische Seher Bileam.
Seine Geschichte klingt ein bisschen verrückt.
Darin spricht zwar kein Laptop, aber dafür ein Tier: seine Eselin.
Ausgerechnet dieser berühmte Seher, der doch wissen sollte, was Gott vorhat, merkt unterwegs überhaupt nichts.
Seine Eselin dagegen bleibt stehen.
Sie sieht einen Engel, der ihnen den Weg versperrt.
Bileam wird wütend, weil das Tier nicht weiter will.
Aber erst als die Eselin zu sprechen beginnt, begreift er: Sie hat ihm gerade das Leben gerettet.
Der große Seher sieht nichts – aber seine Eselin schon.
Gott spricht nicht immer durch die, von denen wir es erwarten.
Und eine störrische Bremse ist manchmal nicht nur nervig, sondern es wert, dass man genauer hinschaut.
Das gilt für hartnäckige Warnmeldung auf dem Bildschirm, aber noch viel mehr für die leisen Momente im Zwischenmenschlichen.
Gott spricht selten laut.
Hin und wieder stellt er uns aber jemanden in den Weg, der bremst.
Und dann ist es klug, kurz stehen zu bleiben – und sogar auf eine Eselin zu hören.
